Herbstzeit ist Duftzeit – Düfte erleben, teilen und genießen

Im dritten Teil meiner Reihe „Herbstzeit ist Duftzeit“ geht es darum, wie wir Düfte ganz praktisch in unseren Alltag holen können – mit Duftkerzen, Räucherwerk oder ätherischen Ölen.

Wir dürfen wieder bewusster riechen, ausprobieren, kombinieren – und uns fragen: Was tut mir gerade gut?
Ein warmer Vanilleduft kann Geborgenheit schenken, Fichtennadel erdet, Orange bringt Licht ins Gemüt.

Herbst riecht nach Wärme, Holz und Geborgenheit.
Düfte holen Erinnerungen zurück – und schaffen neue.

Wenn ich an Duftpartys denke, habe ich sofort ein leichtes Schmunzeln im Gesicht. Irgendwie klingt das nach einer anderen Zeit – nach den Neunzigern vielleicht, nach Wohnzimmern voller Duftlampen und Parfümproben. Macht man das überhaupt noch?
Ich glaube: Ja. Aber anders.
Nicht als Verkaufsshow, sondern als Begegnung. Als Einladung, Düfte wieder bewusst zu erleben – mit Freundinnen, Familie oder einfach für sich allein.

Denn der Herbst ist die Zeit, in der die Sinne nach innen wandern. Wir nehmen alles intensiver war, wir kochen wieder mehr wärmende Gerichte, wir zünden Kerzen an. Alles wird weicher, wärmer, langsamer. Und genau darin liegt die Chance, Düfte nicht nur zu konsumieren, sondern sie als Ritual zu verstehen – als etwas, das uns erdet, verbindet und erinnert.


1. Duftpartys neu gedacht

Was wäre, wenn eine Duftparty heute so aussehen würde:

Ein kleiner Tisch.
Vier, fünf Menschen, die Zeit mitbringen.
Auf dem Tisch: Tee, ein paar Gewürze, getrocknete Orangenscheiben, kleine Fläschchen ätherischer Öle.
Im Hintergrund Kerzenlicht, vielleicht ein diffuser Duft von Vanille und Zimt.

Jede bringt einen Duft mit, der sie begleitet – ein Parfüm, ein Öl, ein Stück Räucherwerk, vielleicht sogar etwas Selbstgemachtes. Und dann geht es nicht ums Vorstellen, sondern ums Erzählen: Was löst dieser Duft in mir aus? Welche Erinnerung taucht auf?

So entsteht etwas Intimes, Verbindendes.
Man lacht, man schweigt, man riecht – und merkt, wie wenig es braucht, um sich selbst wieder zu spüren.

Zum Abschluss kann jeder einen „Herbstduft“ mischen:
Eine kleine Roll-On-Mischung, eine Räucherprobe oder eine Duftkarte – je nachdem wonach einem gerade ist.
Eine Erinnerung an einen verbindenden Abend.

Tipp:
Wenn du so ein Treffen planst, bereite einen Dufttisch vor:
– 3–5 warme ätherische Öle (Orange, Vanille, Zimt, Benzoe, Sandelholz)
– 2 frische Gegengewichte (Bergamotte, Zeder, Zirbe)
– neutrale Duftstreifen, Pipetten, Jojobaöl für Roll-Ons
– etwas Gebäck, Tee oder Kakao

Das ist kein Event, das man „veranstaltet“, sondern eine Erfahrung, die man teilt.


2. Räuchern – das archaische Element

Räuchern ist viel älter als Parfüm und Kerze. Es ist der Ursprung des Dufts selbst.
Wenn Harze, Kräuter oder Hölzer aufglimmen, verbindet sich das Element Feuer mit der Erde – der Duft wird zu Rauch, und Rauch steigt auf. Symbolisch und ganz real: etwas verwandelt sich.

Gerade im Herbst, wenn das Alte vergeht und Neues noch nicht greifbar ist, tut dieses Ritual gut.
Es muss nicht spirituell aufgeladen sein. Es reicht, sich bewusst einen Moment Zeit zu nehmen.

So kannst du es einfach machen:

Verwende eine kleine Räucherschale mit Sand.

Lege ein Stück glühende Kohle hinein (oder nutze ein Siebstövchen, wenn du es sanfter magst).

Streue etwas Räucherwerk darauf:

  • Wärmend: Benzoe, Zimt, Vanille, Sandelholz
  • Klar und erdend: Fichtennadeln, Beifuß, Wacholder, Tannennadeln
  • Stimmungsaufhellend: Orangenschalen, Rosenblätter, Lavendel


Achte auf gute Qualität und natürliche Zutaten.
Räuchern ist kein Lufterfrischer – es ist ein bewusstes Innehalten. Ein kleines Stück Achtsamkeit, das den Raum verändert.

Ritualidee

Räuchere am Abend, wenn du den Tag abschließt. „Bade“ dich in dem Rauch.
Frag dich: Was darf heute losgelassen werden? Was soll bleiben?


3. Ätherische Öle und Aromadiffusoren – moderne Begleiter

Nicht jeder mag Rauch, und das ist völlig in Ordnung.
Ein Aromadiffusor ist die zeitgemäße, sanfte Variante, Düfte in den Alltag zu integrieren.
Er verteilt feinen Nebel – Wasser und wenige Tropfen Öl genügen.

Herbstliche Duftideen

  • Für Geborgenheit: 2 Tropfen Orange, 1 Vanille, 1 Zimt
  • Für Erdung: 2 Tropfen Sandelholz, 1 Fichte, 1 Mandarine
  • Für Klarheit: 2 Tropfen Bergamotte, 1 Zeder, 1 Rosmarin

Oder du nimmst bereits vorgemischte abgestimmte Kompositionen.

Meine liebsten Diffusormischungen

1. Munozent – die Stärkende

Eine frische, klare Mischung mit Eukalyptus, Zitrone und Lavendel.
Sie öffnet die Atemwege, schenkt Leichtigkeit und unterstützt, wenn man das Gefühl hat, etwas abzuschirmen oder sich zu schützen. Ideal für die Übergangszeit, wenn das Immunsystem ein bisschen extra Aufmerksamkeit braucht.
Duftwirkung: reinigend, klärend, belebend.

Ritualtipp: Ein paar Tropfen im Diffusor, während man am Abend Tee trinkt oder Tagebuch schreibt. Der Duft klärt den Kopf und beruhigt gleichzeitig.

2. Armozont – die Sanfte

Mandarine, Lavendel und Ylang-Ylang verbinden sich hier zu einer warmen, beruhigenden Komposition.
Sie hilft, nach einem vollen Tag herunterzufahren, den Geist zu entspannen und einen guten Schlaf zu fördern. Der Duft erinnert an Geborgenheit, an weiche Decken, an Licht im Fenster.
Duftwirkung: entspannend, lösend, harmonisierend.

Ritualtipp: Vor dem Schlafengehen im Schlafzimmer vernebeln oder einen Tropfen auf die Handgelenke geben und tief einatmen.

3. Dynazent – die Belebende

Eine aktivierende Mischung aus Orange, Rosmarin und Pfefferminze.
Perfekt für graue Tage, an denen man Energie und Fokus braucht. Sie wirkt anregend, ohne aufdringlich zu sein, und bringt einen Hauch von Sonne in den Raum.
Duftwirkung: vitalisierend, konzentrationsfördernd, erfrischend.

Ritualtipp: Morgens im Bad  während du dich für den Tag fertig machst verwenden oder beim Lüften, um frische Energie hereinzulassen.


Interessierst du dich näher für diese Duftmischungen? Sprich mich gerne an!


4. Noch mehr kleine Alltagsrituale mit Duft

Düfte entfalten ihre Kraft, wenn sie mit Bedeutung verbunden sind.
Hier ein paar einfache Ideen, wie du sie in deinen Alltag integrieren kannst:

  • Am Morgen: Ein Tropfen Grapefruit oder Orange auf den Handgelenken, tief einatmen – der Tag beginnt wacher.
  • Am Nachmittag: Ein Stück Tonka oder Vanille im Teelicht schmelzen lassen, um Wärme zu spüren.
  • Am Abend: Einen Tropfen Lavendel auf den Wollschal oder auf das Kopfkissen geben.
  • Am Wochenende: Draußen einen Spaziergang machen, ein paar Kiefernnadeln oder Moos sammeln, sie zu Hause in eine kleine Schale legen.

5. Düfte die als Erinnerungen bleiben

Wenn ich am Abend eine Kerze auspuste und der feine Rauch sich im Raum verteilt, dann ist da dieser Moment zwischen Ende und Anfang.
Ein Hauch von Wärme, der kurz bleibt, bevor er sich verflüchtigt.
Genau das liebe ich am Herbst: dass er mich lehrt, dass Schönheit nicht ewig währt, aber tief wirken kann – wie ein Duft, der noch in der Luft liegt, wenn man den Raum längst verlassen hat.

Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, dass der Duft bleibt.
Sondern darum, dass wir bleiben – offen, wahrnehmend, dankbar für diese flüchtigen Augenblicke, die uns an das Wesentliche erinnern: dass Leben riecht, dass Erinnerung duftet, dass Wärme ein Gefühl ist, das man teilen kann.

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