Sobald die Tage kürzer werden und das Licht weich über den Nachmittag fällt, beginnt etwas in mir sich zu verändern. Der Sommer mit seiner Unbeschwertheit zieht sich langsam zurück, und an seine Stelle tritt eine tiefe, warme Ruhe. Ich spüre, wie ich langsamer werde, wie ich beginne, mich wieder nach innen zu richten – und wie mein Geruchssinn auf einmal wacher wird.
Wenn draußen die Luft nach feuchtem Laub, nach Holzrauch und Erde riecht, dann ist für mich die Zeit gekommen, auch drinnen den Duft neu zu entdecken. Es ist, als ob der Körper intuitiv weiß: Jetzt will ich es warm, süß und wohlig.
Ein Topf mit Kürbissuppe, in dem Muskat und Ingwer leise miteinander tanzen. Frisch gebackene Plätzchen, deren Vanilleduft durch die Räume zieht. Eine Kerze, die nach Zimt, Orange und einem Hauch von Tanne riecht.

Ich merke, wie sehr mich Düfte tragen. Sie holen mich ins Jetzt. Wenn der Alltag laut ist, genügt manchmal schon das Anzünden einer Kerze, um die Stimmung zu verändern. Der Geruch breitet sich aus, und plötzlich ist der Raum weich, geborgen, vertraut.
Düfte sind für mich wie eine Sprache, die keine Worte braucht – sie sprechen direkt zur Seele. Sie erinnern mich an Kindheit, an Geborgenheit, an die Freude, wenn draußen der Regen prasselt und drinnen jemand Tee aufgießt.

Im Herbst finde ich zu dieser sinnlichen Seite besonders stark zurück. Ich beginne, kleine Rituale zu pflegen:
Ein Tropfen ätherisches Öl auf den Wollschal, bevor ich rausgehe. Eine Handvoll getrocknete Orangenscheiben und Nelken im Topf auf dem Ofen, die langsam ihren Duft verströmen. Manchmal auch nur das Rascheln von Laub, das in der Tasche landet, weil es zu schön war, um es liegen zu lassen.
Herbstzeit ist Duftzeit. Sie erinnert mich daran, dass Sinnlichkeit nichts mit Überfluss zu tun hat, sondern mit Aufmerksamkeit. Mit dem bewussten Wahrnehmen, mit dem Innehalten.
Und vielleicht auch mit einer kleinen Sehnsucht danach, dass das Zuhause ein Ort bleibt, an dem Wärme nicht nur von der Heizung kommt – sondern von all den kleinen Dingen, die gut riechen und das Herz berühren.
Fühlst du auch, wie sich eine Stimmung im Herbst ändert?