Meine Kinder wachsen kitafrei auf. Das bedeutet, sie verbringen sehr viel Zeit draußen – ganz ohne ständige Aufsicht. Mal klettern sie im Garten, mal verschwinden sie für eine Stunde hinterm Schuppen, mal sammeln sie Schätze aus Wald und Wiese. Manchmal komme ich dazu, sehe ihre „Konstruktionen“ und schlage mir die Hände über dem Kopf zusammen. Da werden Bretter übereinandergelegt, Gräben gebuddelt oder kleine „Wunderwerke“ aus Lehm und Schnur gebaut, die im besten Fall nach einem Tag wieder zusammenfallen.
Und trotzdem: Ich liebe es. Ich feiere ihren Mut, ihre Dummheiten, das Ausprobieren. Denn genau so lernen Kinder. Sie tasten sich an Grenzen heran, sie verhandeln Regeln untereinander, sie entdecken Lösungen, wenn etwas schiefgeht. Sie brauchen diesen Raum, in dem Erwachsene nicht sofort eingreifen. Ein bisschen wie in Bullerbü: Freiheit, Abenteuer und das Vertrauen, dass die Welt draußen wartet – nicht nur das Wohnzimmer mit den immer gleichen Spielsachen.
Räume, die Kinder stark machen
Meine Tochter wurde vor ein paar Wochen eingeschult. Und wir haben das große Glück eine Schule in der Region zu haben, die ein bisschen Bullerbü-Feeling mitbringt.
Die Freie Schule GoitzscheFlieger. Dort gibt es keine Lehrer, die vorne stehen und Stoff „durchziehen“. Es gibt Lernbegleiter. Menschen, die Kinder ernst nehmen und sie auf ihrem individuellen Weg unterstützen. Die Umgebung ist vorbereitet, die Kinder haben Zugang zu Wissen, Materialien und Projekten. Aber es gibt keinen ständigen Druck, keine Noten, keine Angst. Stattdessen entsteht Raum für echtes Lernen: durch Neugier, durch Fragen, durch Ausprobieren.
Ich sehe darin eine große Parallele zum Familienalltag: Kinder brauchen Freiräume – aber auch Erwachsene, die in entscheidenden Momenten begleiten.
Und die Eltern?
Wie oft geht es mir selbst so? Am Ende des Tages war wieder um Alltagsstress keine Zeit für ein gemeinsames Spiel. Dabei lieben wir es, Maulwurfs-Company oder das verrückte Labyrinth zu spielen. Oder Mal wieder gemeinsam basteln? Es wird bald Herbst und die Kinder sind immer ganz stolz, wenn ihre Kunstwerke am Fenster hängen.
Genau da setze ich mit dem Begegnungs- und Spielecafé an. Es ist ein Raum, der beides zulässt: Gemeinsame Erlebnisse und Freiraum. Eltern dürfen bei einem Kaffee ins Gespräch kommen, während die Kinder draußen herumstromern oder drinnen kreativ sind. Manchmal entstehen beim Basteln kleine Kunstwerke, manchmal einfach nur Chaos und Gelächter. Und das ist gut so.
Es geht nicht darum, alles perfekt zu organisieren. Es geht darum, die Hektik für ein paar Stunden hinter sich zu lassen. Zeit zu haben für ein Kartenspiel, das sonst immer liegenbleibt. Raum zu geben für Gespräche zwischen Eltern, die oft merken: Wir sitzen im selben Boot.

Ein Stück Bullerbü für heute
Vielleicht ist das Begegnungscafé am Ende genau das: ein kleines Stück Bullerbü im Alltag. Ein Ort, an dem Kinder Unfug machen dürfen, an dem Eltern auftanken können, an dem Gemeinschaft entsteht.
Denn ich glaube: Kinder brauchen nicht ständig noch mehr Programme. Sie brauchen Räume. Und wir Erwachsenen brauchen Orte, an denen wir ihnen genau das zutrauen – und gleichzeitig selbst zur Ruhe kommen.