Ein Tintenfisch im Garten, oder….

Wie wir lernen die Welt durch Kinderaugen zu sehen.

Vor ein paar Tagen hat meine Tochter in einer Mohnblume einen Tintenfisch entdeckt.
Nicht wirklich – aber in ihrer Fantasie war er da. Und mittlerweile fällt es mir wieder leichter, mich in die kindlich Fantasiewelt hineinzubegeben. Das war nicht immer so. Im Stress des Alltags, in mitten des Haushalts und zwischen allen To Do’s nehme ich mir wieder bewusst Zeit für die Schönheit der Natur, für einen anderen Blickwinkel, für die Geschichten, die uns die Natur erzählt.

Doch zurück zu unserem Tintenfisch.

Ein kleiner Moment – und doch ein riesiges Fenster in die Welt des kindlichen Staunens. Während wir Erwachsenen bei einer Blume meist sagen:
„Ja, schön!“, gehen Kinder einen Schritt weiter.
Sie schauen nicht nur – sie begegnen. Kinder sind noch so unvoreingenommen und in ihrem Geist so frei, dass sie Muster, Beziehungen, Geschichten erkennen. Ihre Sinne sind offen, sie wissen nicht, sie fühlen, entdecken, erleben.

Geometrie in der Natur – und warum Kinder sie so intuitiv erkennen

Die Natur ist voller Muster – und sie spricht in der Sprache der Geometrie.
Wir finden Kreise, Spiralen, Fünfecke, Fraktale in unzähligen Pflanzen und Tieren:

Die Sonnenblume, deren Kerne sich in einer perfekter Fibonacci-Spirale anordnen.
Ringelblumen, deren Blütenblätter sich ringförmig öffnen.
Schneckenhäuser, mit ihren perfekten Spiralen.

Kinder haben einen natürlichen Sinn für diese Formen.
Nicht, weil sie mathematisch geschult sind – sondern weil ihr inneres System noch mitschwingt mit der Sprache der Natur.
Sie sehen nicht bloß Formen – sie fühlen ihre Stimmigkeit.
Sie spüren die Ordnung, ohne sie zu benennen. Wahrscheinlich sind Kinder deshalb davon auch so fasziniert und werden wie magisch angezogen.

Was wir von Kindern (und der Natur) lernen können

Die Wildnispädagogik lädt uns ein, wieder in diese Wahrnehmung einzutauchen.
Nicht nur zu wissen, dass eine Blume Spiralen bildet. Sondern sie zu sehen, zu berühren, zu staunen.

Wenn wir mit Kindern in der Natur unterwegs sind, können wir lernen:

uns Zeit zu nehmen, wieder neugierig zu sein, und hinter das Offensichtliche zu blicken.

Denn vielleicht ist es gar nicht so weit hergeholt: Dass in einer Mohnblume ein kleiner Tintenfisch wohnt.
Dass in einem Blütenblatt ein ganzes Universum zu finden ist.
Und dass wir uns selbst wieder näherkommen,
wenn wir lernen, wieder mit Kinderaugen zu sehen.

Herzlich,

Eure Melanie

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